Medizin-Uni in Linz dringend notwendig

Ärztekammerpräsident Niedermoser warnt vor Ärzte-Engpass: Europa steuert auf einen massiven Ärztemangel zu. Um Versorgungsengpässen in Oberösterreich entgegenzusteuern, müsse dringend etwas getan werden, fordern die Medizinische Gesellschaft OÖ und die Ärztekammer für OÖ.

Eine vierte öffentliche Medizinuniversität in Linz kann aus der Misere helfen – allerdings muss der Bund endlich Nägel mit Köpfen machen, fordert die Ärztekammer.

Es gibt zu wenig ärztlichen Nachwuchs. Grund dafür ist in erster Linie die Altersstruktur: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen innerhalb der kommenden fünf Jahre in Pension, es rücken weniger Jungärzte nach. In Deutschland fehlen bereits derzeit mehr als 3.600 niedergelassene Ärzte – bis 2020 müssen lt. einer Studie der Kassenärztlichen Vereinigung und einer Erhebung der Bundesärztekammer rund 51.000 Ärzte im ambulanten Bereich ersetzt werden, darunter knapp 24.000 Hausärzte!

In Schweden sind aktuell rund 5.000 Arztstellen unbesetzt, und auch in Norwegen werden dringend Ärzte gesucht. In Großbritannien titeln die Medien mit Schlagzeilen wie „Das Vereinigte Königreich hat einen Mangel an jungen Ärzten – Engpässe im britischen Gesundheitsdienst“ oder „Mangel an Ärzten schränkt Notaufnahme in Nordirland ein“. In Tschechien können derzeit 700 Arztstellen nicht besetzt werden, die Anzahl der Allgemeinmediziner am Land sinkt rapide. In Bulgarien erklärte der Industrieverband die Lage kürzlich für alarmierend.

Neben der Altersstruktur ist die zunehmende Migration ein Hauptgrund für den in machen Gebieten massiven Ärztemangel. Denn es liegt auf der Hand, dass sich Jungmediziner angesichts dieser Situation ihren Arbeitsplatz aussuchen können. Hinzu kommt, dass die Arbeitsplatzmigration innerhalb der EU immer leichter wird. Nach Deutschland sind 2010 rund 1.800 Ärzte aus anderen Ländern eingewandert, rund 3.200 deutsche Ärzte haben ihr Land verlassen! Und Rumänien hat seit dem EU-Beitritt 2007 rund 6.000 Ärzte, Zahnärzte und Pharmazeuten an andere Länder verloren.

In Oberösterreich haben zahlreiche Spitäler – vor allem an der Peripherie – bereits Probleme, junge Ärzte zu finden. So sind im Krankenhaus Braunau sechs Turnusstellen nicht besetzt, auch Fachärzte fehlen. In Freistadt, Kirchdorf, Gmunden, Rohrbach, Schärding und Wels haben die Spitäler ebenfalls freie Turnusarzt-Stellen, die sie nicht besetzen können – und man rechnet, dass sich die Situation 2012 noch verschlimmern wird.

„Angesichts dieser drastischen Situation besteht dringender Handlungsbedarf. Wir brauchen dringend mehr Jungärzte, sonst wird es die medizinische Versorgung in der Qualität, wie wir es gewohnt sind, bald nicht mehr geben“, befürchtet Ärztekammerpräsident Dr. Peter Niedermoser, „wir müssen den Jungärzten attraktive Arbeitsplätze bieten, nur so halten wir sie im Land. Außerdem brauchen wir dringend mehr Studienplätze für Medizin!“

Abhilfe für ganz Österreich kann die Errichtung einer vierten öffentlichen Medizinuniversität in Linz schaffen. Für dieses Projekt gibt es bereits eine Machbarkeitsstudie und sehr konkrete Umsetzungspläne – ein Start wäre jederzeit möglich. Auch das Land OÖ und alle oö. Städte und Gemeinden stehen dahinter – allein der Bund sträubt sich bis dato, Nägeln mit Köpfen zu machen. „Wenn man bedenkt, dass die ersten Studienabgänger erst frühestens sechs Jahre nach dem Start für Turnusstellen zur Verfügung stehen, ist es bereits fünf Minuten vor zwölf. Ich fordere Wissenschaftsminister Töchterle auf, diesbezüglich so rasch in Verhandlungen zu treten!“, fordert Niedermoser.

Mehr Information zum Thema: www.meduni-linzooe.at

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