Wird der Arztberuf zum Mangelberuf?
Wird der Arztberuf zum Mangelberuf?
Noch ist die Versorgung mit praktischen Ärzten und Fachärzten gut: rund 5600 Medizinerinnen und Mediziner, davon 2150 für Allgemeinmedizin, rund 2490 für die Fachbereiche und knapp 960 Turnusärzte in Ausbildung. Die Betonung liegt aber auf „noch“. Denn der Ärzteberuf unterliegt einem dramatischen demographischen Wandel. Im Durchschnitt ist ein Arzt in Oberösterreich 54 Jahre alt, in den kommenden zehn Jahren erreicht rund die Hälfte der oberösterreichischen Mediziner das Pensionsalter. Und der Ärztenachwuchs reicht nicht aus.
Gibt es bereits Anzeichen für einen Ärztemangel?
Ja. Erstmals werden heuer in den oberösterreichischen Spitälern um 30 Turnusärzte zu wenig tätig sein. In mehreren Bezirken wird es bereits schwierig, Ordinationen nachzubesetzen. In anderen Bezirken wird bereits die Organisation von ärztlichen Bereitschaftsdiensten schwierig, mehrere Bereitschaftssprengel mussten schon zusammengelegt werden.
Gibt es Prognosen, wie viele Ärzte bald fehlen könnten?
Ja, etwa von Ärztekammer, Medizinischer Gesellschaft und Bundesinstitut für Gesundheit. Aus diesen ergibt sich ein Bedarf von rund 1600 Medizin-Absolventen pro Jahr in Österreich, aber nur 1400 Studenten werden jährlich aufgenommen – von diesen Plätzen sind drei Viertel für Österreicher reserviert. Für Oberösterreich alleine wird bis 2020 mit einem jährlichen Bedarf von mindestens 180 Jung-Medizinern gerechnet, aber nur 100 Medizin-Erstsemestrige aus Oberösterreich wurden im Herbst an den Unis Wien, Innsbruck und Graz aufgenommen, nur noch halb so viele Anfänger wie vor zehn Jahren. Rechnet man die Drop-out-Raten ein, müssten mindestens doppelt so viele Oberösterreicher Medizin studieren – und dann als Ärzte ins Land zurückkommen.
Wie ist das „Ausbildungsproblem“ zu lösen?
Die bestehenden Medizin-Unis sind an der Grenze ihrer Kapazitäten, deshalb auch die rigorosen Aufnahmebeschränkungen mit Aufnahmetests. Eine einfache Aufstockung der Studienplätze in Wien, Graz und Innsbruck wäre (obwohl dies das Wissenschaftsministerium ins Spiel bringt) laut Meinung medizinischer Experten nicht ohne markante Qualitätsverluste bei der Ausbildung möglich. Deshalb fordert auch die OÖN-Initiative vehement die Errichtung einer Medizin-Uni in Linz.
Wie konkret ist das Konzept für die Medizin-Uni Linz?
Sehr konkret. Seit zwei Jahren liegt eine 250-seitige, von einem 50-köpfigen Expertenteam im Auftrag der oö. Medizinischen Gesellschaft erstellte Studie vor. Begonnen würde in einem Elf-Jahres-Plan mit 50 Erstsemestrigen, im Endausbau mit 300 Medizin-Anfängern. Mit der Kepler-Universität gäbe es umfangreiche Kooperations- und Synergieeffekte, etwa bei Medizintechnik, Mechatronik, Biologie und Medizinrecht. Oberösterreich hat dem Ministerium auch ein Vorfinanzierungsmodell übermittelt.
Wie reagiert Wien bisher?
Mit Vertröstung. Das Wissenschaftsministerium will eine eigene Ärzte-Bedarfsstudie abwarten, die bereits für Frühjahr 2011 versprochen wurde und sich weiter verzögert.
Mehr Information zum Thema http://www.meduni-linzooe.at/home/
Quelle: OÖN
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